Hautkrankheiten, Teil 1: Pilzerkrankungen
Wie sieht eine Katze mit Hautpilzerkrankung aus?
Es gibt leider kein einheitliches Krankheitsbild, das als typisch angesehen werden könnte. Häufig findet man Veränderungen an Kopf und Ohren, aber auch an den Vorderbeinen und -pfoten oder seltener an anderen Stellen des Körpers. Diese zeigen sich z. B. als begrenzte haarlose Stellen mit leichter Schuppung, die manchmal gerötet, manchmal mit Krusten und Borken bedeckt sind; oft besteht wenig oder kein Juckreiz. Aber auch untypischere Bilder können vorkomme, z. B. viele kleine Krusten, die über den Körper verteilt sind, fettige oder trockene grossflächige Schuppung, Krallenbettentzündungen oder stark juckende und entzündete Hautstellen.
Auf Grund des vielfältigen Erscheinungsbildes stellen Hautpilzerkrankungen für den Tierarzt eine Herausforderung in der Diagnose dar. Erstaunlicherweise sind aber in einem Mehrkatzenhaushalt meistens nicht alle Katzen von einer Hautpilzerkrankung betroffen, obwohl der Pilz sehr ansteckend ist. Bei den Katzen ohne Haut- oder Fellveränderungen findet man jedoch oft infektiöse Pilzsporen im Fell. Solche angesteckten, aber nicht erkrankten Katzen nennen wir „stille Träger“. Sie stellen immer wieder neue Infektionsquellen dar, die man bei der Behandlung nicht vergessen darf.
Wie kann die Diagnose gestellt werden?
Die Diagnose einer Hautpilzerkrankung kann nicht nur auf Grund ihres äusseren Erscheinungsbildes gestellt werden, da verschiedene andere Hautkrankheiten ähnlich aussehen. Für eine Diagnosestellung gibt es verschiedene Hilfsmittel:
- Die Wood Lampe ist eine spezielle Lampe mit ultraviolettem Licht. Bei etwa der Hälfte der Katzen, die mit M. canis infiziert sind, kann durch die Wood Lampe ein typisches fluoreszierendes Leuchten einzelner Haare beobachtet werden. Dieses Leuchten wird von Abbauprodukten des Pilzes produziert. Nicht alle M. canis-Stämme produzieren jedoch dieses spezielle Abbauprodukt. Darum kann bei einem negativen Ergebnis eine Pilzinfektion trotzdem nicht ausgeschlossen werden. Ausserdem können auch andere Substanzen wie Medikamente, Salben oder Textilfasern ähnlich fluoreszieren, weshalb die Diagnose nach der Untersuchung mit der Wood Lampe oft noch nicht definitiv ist. Sie kann aber helfen, die fluoreszierenden Haare für eine weiterführende Untersuchung auszuwählen.
- Eine mikroskopische Untersuchung von verdächtigen Haarbüscheln kann manchmal zur schnellen und einfachen Diagnose führen. Dadurch sind Pilzsporen an oder in den Haaren sichtbar. Die mikroskopische Untersuchung ist manchmal schwierig zu interpretieren und sollte einer geübten Fachperson überlassen werden. Je nach beteiligter Pilzart können die Veränderungen der Haare unterschiedlich aussehen. Auch hier kann ein negatives Ergebnis eine Pilzinfektion jedoch nicht ausschliessen.
- Das Anlegen einer Pilzkultur ist die aussagekräftigste, aber auch die langsamste Untersuchungsmethode. Es kann einige Wochen dauern, bis das Resultat zur Verfügung steht. Dabei werden verdächtige Haarbüschel und Schuppen auf ein spezielles Nährmedium gegeben und man schaut, ob ein Pilz wächst. Jede Pilzart vermehrt sich auf eine für sie typische Weise auf diesem Nährmedium. Symptomlose Katzen, die als stille Träger verdächtigt werden oder mit erkrankten Katzen in Kontakt waren, werden mit einer sterilen Zahnbürste durchgekämmt, um Haare und Schuppen zu sammeln. Dadurch können die angesteckten, aber nicht erkrankten Katzen identifiziert werden, die auch behandelt werden müssen.
Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 1 / 2003
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Autorin:
Dr. med. vet. Silvia Rüfenacht