Der Kreislaufschock
Der anaphylaktische Schock
Hier zeigt der Körper innerhalb von Sekunden oder Minuten nach Kontakt mit einer allergisierenden Substanz (z. B. Insektengift, Medikament) eine massive Unverträglichkeitsreaktion. Herz- und Lungenfunktion sind stark beeinträchtigt, Blutgefässe erweitern sich und werden durchlässig für Flüssigkeit. Die Blutgefässerweiterung bewirkt einen Blutdruckabfall, und die Lecks der Gefässe führen zu einem Flüssigkeitsverlust. Gepaart mit der reduzierten Leistung von Herz und Lunge, resultiert eine schwache Blutzirkulation mit einer Minder- oder Unterversorgung der Organe mit sauerstoffhaltigem Blut.
Therapie
Schnelles und gezieltes Handeln ist in solchen Situationen oberstes Gebot! Um den Kreislauf zu stabilisieren, werden die Schockpatienten intravenös mit Flüssigkeit versorgt. Zusätzlich werden Antiallergika verabreicht, und im Extremfall können sogar eine künstliche Beatmung und Herzunterstützung von Nöten sein.
Der kardiogene Schock
Sowohl angeborene als auch erworbene Herzprobleme können zu solchen Notsituationen führen. Beim durch das Herz bedingten Schock reicht die Herzmuskelleistung nicht mehr aus, um den Körper mit ausreichend Blut zu versorgen. Ähnlich dem anaphylaktischen Schock wäre das vorhandene Blutvolumen zwar ausreichend, aber durch die unzureichende Pumpleistung gelangt dann zu wenig Blut in die Organe.
Therapie
Trotz der ähnlichen Problematik wie bei der Unverträglichkeitsreaktion gestaltet sich aber die Therapie anders: Denn dem ebenfalls reduzierten Blutdruck auch in diesem Fall mit Flüssigkeitsersatz entgegenzuwirken, würde das bereits geschwächte Herz noch mehr belasten. Deshalb muss also in erster Linie direkt am Herzen medikamentös angesetzt werden.
Kreislaufschock auf Grund von Diabetes mellitus
Im Laufe eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), der ungenügend oder gar nicht therapiert wird, kann es zu einem komaartigen Zustand kommen. Wegen der grossen Urinmengen, die durch die gesteigerten Trinkmengen nicht mehr kompensiert werden können, kommt es zu einem massiven Flüssigkeitsverlust, und der Patient trocknet im wahrsten Sinne des Wortes aus. Enden kann diese Situation in einem Schock, basierend auf einem zu tiefen Flüssigkeitsvolumen.
Therapie
Werden diese Tiere rechtzeitig mit Infusionen unterstützend therapiert, normalisiert sich der Flüssigkeitshaushalt im Kreislauf wieder. Mit einer regelmässigen Insulingabe wirkt man zudem einem erneuten Entgleisen entgegen.
Schlussfolgerung
Der Schock mit all seinen verschiedenen Ursachen und unterschiedlichen Verlaufsformen gehört zu den häufigen Notfällen. Wichtig im Hinblick auf Erfolg und Heilung sind rechtzeitiges Erkennen und sofortige Notfalltherapien sowie bei Stabilisierung die langfristige Eliminierung der möglichen Grundursache.
Dieser Artikel ist erschienen im Katzenmagazin 6 / 2005
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35
Autor:
Dr. med. vet. Martin Keiser
Tierklinik Obergrund
Schlossstr. 11, 6005 Luzern
www.tierklinik-obergrund.ch