Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin
Association Suisse pour la Médecine des petits Animaux
Associazione Svizzera per la Medicina dei Piccoli Animali
Swiss Association for Small Animal Medicine

Pressemitteilung zum Download als pdf-Datei

Was ist Kurzköpfigkeit?

Unter dem Begriff „Brachycephalie“ werden diejenigen Rassen und Hunde zusammengefasst, die einen sehr kurzen Nasenschädel haben. Zu diesen Rassen gehören unter anderen die Französische Bulldogge, der Mops, die Bulldogge, der Shih Tzu, der Pekingese und noch viele mehr. Nicht immer hatten diese Hunde so kurze Schädel. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Nasen länger. Durch gezielte züchterische Anstrengungen hat sich ein „Kindchen-Schema“ durchgesetzt Dadurch hat sich das Merkmal in den letzten 100 Jahren verschärft.

Weshalb leiden diese Hunde?

Hunde können nicht schwitzen. Sie regulieren die Körpertemperatur via Hecheln durch die Nase respektive die grossen Oberflächen der Nasenmuscheln. Der Wegfall dieser Oberflächen zwingt die kurzköpfige Hunde zu verstärkter Atemarbeit, was sich in eingefallenen Nüstern, verlängertem Gaumensegel, kollabierenden Atemwegen und anderen Veränderungen manifestiert. Die Hunde schnarchen, schniefen, widerstehen der Hitze nicht mehr und verlieren an Leistungsfähigkeit. Dies kann in gravierenden Fällen zu Recht als Qualzucht bezeichnet werden.
Im Weiteren leiden einige der kurzköpfige Hunde zusätzlich an zusätzlich an Augen- und Ohrenproblemen, Hautinfektionen auf Grund übermässiger Hautfalten und Geburtsproblemen.

kurzkoepfige hunde

Was kann man im Einzelfall dagegen tun?

Betroffene Hunde müssen meist operiert werden. Dabei werden die Nasenlöcher geweitet und das Gaumensegel gekürzt und verdünnt. Missgebildete Nasenmuscheln werden wo nötig entfernt. Maximal ist mit einer Linderung zu rechnen. Betroffene Hundehalter bezeugen denn auch oft, dass sie in Zukunft keinen solchen Hund mehr kaufen würden.

Gibt es keine gesetzlichen Einschränkungen?

Das Tierschutzgesetz verbietet Qualzucht. Allerdings sind Gesetz und Verordnung wenig griffig. Es wird lediglich verlangt, dass aus einer bestimmten Population die besten Tiere für die Reproduktion verwendet werden sollen. Dies hilft aber nur wenig, wenn die gesamte Rasse, respektive die Auswahl der Elterntiere schon kurzköpfig sind. Der hohe Anteil an Importhunden verhindert eine Qualitätskontrolle in der Schweiz, die ungebrochene Nachfrage nach solchen Hunden fördert den Schwarzmarkt.

Was kann verbessert werden?

Die Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin (SVK), die Schweizerische Kynologische Gesellschaft (SKG), die Schweizerische tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (STVT) sowie die Vetsuisse Fakultät der Universität Bern haben zusammen einen Massnahmenkatalog entwickelt, der ab Anfang 2018 systematisch umgesetzt werden soll. Dazu gehören:

  1. Positionspapier der Schweizer Vereinigung für Kleintiermedizin: Sensibilisierung der Öffentlichkeit, insbesondere der Hundehalter
  2. Gemeinsame Medienmitteilung: Sensibilisierung der Öffentlichkeit, Eindämmen des Imports
  3. Werbe-Beschränkung: Medien sollen auf die Wirkung von Werbebotschaften mit gesundheitlich angeschlagenen Tieren aufmerksam gemacht werden
  4. Leistungsprüfungen vor Zuchtzulassung bei betroffenen Hunderassen
  5. Stärkung von Zuchten, wenn bei Risikorassen die Merkmale verbessert werden
  6. Förderung der Forschung an den Universitäten zum Thema Kurzköpfigkeit

Unterstützt wird die Kampagne zusätzlich von der Gesellschaft der Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) und dem Schweizer Tierschutz.

Pressekonferenz am 2. Februar 2018

Mit Hilfe der Medien soll an der Pressekonferenz (Punkt 2) der Startschuss gelingen und eine breite Öffentlichkeit sensibilisiert werden. Eine prominente Persönlichkeit wird uns an der Pressekonferenz unterstützen. Es ist vorgesehen, dass Christa Rigozzi aus eigener Erfahrung berichtet. Im Weiteren sind anwesend: Martina Gastaldo mit ihren beiden Französischen Bulldoggen, Dr. Claudia Nett, Dr. Marie Müller-Klauser und Lucretia Watkins von der SVK-ASMPA, Dr. Julie Schwechler von der STVT, Hansueli Beer von der SKG und Dr. Daniel Koch als Vertreter der praktizierenden Tierärzte. Er moderiert die PK.

Die Pressekonferenz findet am Freitag den 2. Februar 2018, um 15.00 in Winterthur, anlässlich der Ausstellung HUND 18 (www.hundemesse.ch) im Vortragsraum der Messe Winterthur statt. Wir bitten um eine Anmeldung bis spätestens 31. Januar.

Kontakt

Lucretia Watkins,
Geschäftsstelle SVK-ASMPA
Hostig 6
8132 Hinteregg
079 584 70 93
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